Stellungnahme Sebastian Heib (Vereinigung der Pfälzer Kletterer)


Liebe Bergfreunde,

zunächst einmal: großen Respekt für all die Arbeit welche sich die
Projektgruppe hier gemacht hat!

Seit fast 10 Jahren nehme ich regelmäßig den langen Weg aus der Pfalz in
die schöne Sächsische Schweiz auf mich um dort klettern zu gehen. Immer
wieder komme ich gerne hierhin zurück, da die Kletterei deutlich
intensiver ist als in den meisten anderen Klettergebieten. Für mich ist
ein sehr wichtiger Aspekt des Kletterns im Sächsischen Fels, dass man
sich hier deutlich mehr mit dem zu kletternden Weg und dem eigenen
Können auseinandersetzten muss: wie ist die Absicherbarkeit des Weges,
wie lang ist dieser, was erwartet mich, gibt es Rückzugmöglichkeiten,
bin ich der Schwierigkeit gewachsen, was sagen andere Kletterer die den
Weg schon geklettert sind, etc. Dies ist für mich etwas sehr
einzigartiges, was auf jeden Fall erhalten werden sollte!

Wie in dem Arbeitspapier beschrieben sehe ich es auch so, dass das
Pilotprojekt Johanniswacht sicherlich nicht (unmittelbar) der Untergang
des sächsischen Kletterns sein wird (klar, es ist nur ein sehr geringer
Anteil aller Felsen/ Kletterwege). Ich sehe dabei jedoch auch einige
Gefahren: wenn hier jetzt angefangen wird an einer Felsgruppe ALLE Wege
in einen kletterbaren (sprich: mit vertretbarem Risiko vorsteigbaren)
Zustand zu versetzen, so wird schnell die Forderung kommen dies auch auf
andere Felsen auszudehnen ("es war ja ein 'Pilot'-Projekt - also muss
man auch weitere Schritte gehen"). Ich fürchte dass man an dieser Stelle
einen Stein ins rollen bringt, welcher nur sehr schwer aufzuhalten sein
wird. Ich fände es schade, wenn am Ende überall großzügig nachsaniert
wird - das nimmt vielen Wegen ihren besonderen Reiz und das Sächsische
Klettern geht nach und nach auf im sonst schon weit verbreiteten
"Einheitskletterbrei".
Nach Umsetzung des Projektes wird die Felsgruppe sicherlich deutlich
höher frequentiert, und auch von eher unerfahreneren Kletterern
aufgesucht werden. Gefährlich wird es, wenn diese Kletterer dann
versuchen ihr hier erprobtes Kletterkönnen "blind" auf andere Gipfel zu
übertragen, welche nicht nach dem hier gebotenen Standard gesichert
sind. Ich glaube dass es dadurch schnell dazu kommen kann dass sich
Kletterer in ihrem Können überschätzen, und am Ende in für sie zu
schwere Wege einsteigen (was letztlich sehr gefährlich werden kann).
Außerdem frage ich mich, ob man wirklich alle Wege eines Gipfels gleich
sicher machen muss. Wenn ich mir die Bilder betrachte (leider war ich
bisher nur einmal an dieser Felsgruppe), so erscheinen mir doch einige
Wege schon rein optisch als "eher unlohnend". Ob hier eine Erhöhung der
Frequentierung durch eine Verbesserung der Sicherungssituation erreicht
werden kann halte ich eher für zweifelhaft ("da könnte man sich die
Arbeit auch sparen"). Weiterhin ist es doch auch gut, wenn an einem
Felsen neben gut gesicherten Wegen auch weniger gut gesicherte vorhanden
sind - so kann jeder Kletterer für sich entscheiden was für ihn gerade
passend ist. Auch bietet dies (bei einem hier angestrebten "Übungsfels")
ein deutlich besseres Bild vom Rest der Sächsischen Klettergipfel.

Ich glaube eine komplette Gipfelgruppe großzügig mit nachträglichen
Ringen auszustatten ist ein eher kontraproduktiver Weg für das
sächsische Klettern. Immerhin gibt es auch heute schon genügend gut
gesicherte (und sicherbare) Wege in allen Schwierigkeitsgraden. Und
letztlich ist auch die Sicherung nicht immer das ausschlaggebende
Argument einen Weg zu klettern, sondern vielmehr die Qualität der
Kletterei an sich.

Viele Grüße aus der Pfalz
Sebastian Heib


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