Stellungnahme Martina Weber


Da ich erst 2007, mit über 40 Jahren mit dem Klettern begonnen habe, zähle ich mich durchaus zu den Spätberufenen. Seither hat es mich in die unterschiedlichsten Klettergebiete deutschlandweit und darüber hinaus geführt. Mit offenem Geist habe ich Sportklettergebiete in unseren Mittelgebirgen ebenso kennen und schätzen gelernt, wie Plaisierrouten in den Bergen. Ich lernte Trad-Klettern in England und in der Pfalz und machte erste Alpintouren im Hochgebirgsgranit.
Jede Art der Kletterei hat ihre Besonderheit und ihren ganz eigenen Reiz. Und es sind gerade diese Besonderheiten, die unseren schönen Sport so abwechslungsreich und einzigartig machen.
Lange habe ich es aufgeschoben, ins sagenumwobene Elbsandsteingebirge zu fahren. Rankten doch teilweise legendäre, teils haarsträubende, aber immer faszinierende Geschichten um dieses traditionelle Klettergebiet, das seines Gleichen sucht. Doch auch für mich kam der Tag, da ich mich gefestigt fühlte, erste Kletterversuche im Elbensand zu unternehmen. Und so trat ich voller Respekt und Ehrfurcht diesen wunderbaren Wänden entgegen.
All meine Vorstellungen und Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Die Kletterei im Elbsandsteingebirge gehört mit zu den eindrucksvollsten Erlebnissen, die ich während meines recht jungen Kletterlebens erfahren habe. Nicht nur die unvergleichliche Schönheit dieses Fleckchens Erde hat es mir angetan. Auch die Tradition, die seit mehr als 150 Jahren von Klettergeneration zu Klettergeneration weiter vermittelt wird, empfinde ich als einmaliges Kulturerbe, welches unbedingt gewahrt und geschützt werden muss.
Die strenge Regelung des Sächsischen Bergsteigens hat im Wesentlichen dazu beigetragen, dass sich das Gebiet heute so unverbraucht präsentiert, wie eh und jeh. Keine dem Kletterboom folgenden Massen an Kletterern, die nicht die Natur im Vordergrund sehen, sondern ihre persönlichen Bestleistungen, fallen über die Wände her und besudeln sie mit Chalk. Keine Routen werden blockiert durch ewig in den Umlenkern hängenden Top-Ropes. Und entsprechend sauber ist der Wandfuß und der Wald, entsprechend ruhig ist es an den Einstiegen.
Im Elbsandstein steht nicht der schnelle Erfolg auf dem Programm. Ziel ist es nicht, möglichst viele Routen hintereinander abzuspulen, wie in vielen anderen Klettergebieten, die überbohrt sind und in denen der Ernst der Kletterei völlig untergegangen ist. Wo die großen Taten der Erstersteiger von einst in Vergessenheit geraten sind. Wer im Elbsandstein klettert, kann noch mit sich selbst konfrontiert werden, darf noch Angst erfahren und um so größere Genugtuung, wenn dann der Tag eines Durchstiegs gekommen ist.
Wie gerade der Verein, der um die Belange dieses Gebiets bemüht ist, in Erwägung ziehen kann, diese Einzigartigkeit zu eliminieren, ist für ich nicht nachvollziehbar. Vielmehr müssen Sie doch alles daransetzen, eine Art Denkmalschutz für die Sächsische Kletterei zu erwirken, um auch künftigen Generationen die Möglichkeit echter Abenteuer und großer Leistungen zu ermöglichen. Damit werden mittelmäßige Kletterer ja nicht ausgeschlossen.
Ich persönlich bin schon glücklich, im Elbensand einfachste Wege vorzusteigen. Wenn ich schwer klettern will, steige ich eben nach, oder ich gehe in andere Sportklettergebiete. Aber nie käme in mir der Wusch nach mehr Absicherung im Elbsandstein auf.
Bitte besinnen Sie sich der schützenswerten Einzigartigkeit Ihres Gebiets und sehen Sie davon ab, das Gebiet Massentauglich machen zu wollen. Wenn erst einmal begonnen wird, sich der Tradition zu widersetzen, ist deren Untergang nur eine Frage der Zeit und ein nie wieder rückgangig zu machender Fehler.

In diesem Sinne
Berg Heil

Martina Weber


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