Stellungnahme Jörg Brutscher

Kommentare/Auswertung zum Konzept „Pilotprojekt“ Johanniswacht

25.9.2016
Jörg Brutscher


Vorbemerkung:
„Pilotprojekt“ klingt, als wäre es die grundsätzliche Absicht, am Ende die gesamte sächsische Schweiz zuzunageln. Das ist etwas, was sicher im weiten Bereich keine Zustimmung findet, auch nicht meine. Man sollte das also eher „Projekt Übungsgebiet Johanniswacht“ oder ähnlich nennen.

Ziel des Projektes ist es, das Angebot an sportlich attraktiven Wegen im mittleren Schwierigkeitsbereich zu erhöhen. Das ist etwas anderes als die normalen nR-Kriterien, trotzdem sollen die Vorschlage an diesem Ziel gemessen werden.

Es konnten nicht alle Vorschläge überprüft werden, dazu bräuchte man mehr Zeit. Das Ergebnis dieser Teilüberprüfung legt allerdings nahe, das dieses Konzept niemals 1:1 umgesetzt werden sollte, sondern jeder Einzelvorschlag noch einmal genau angesehen werden muss.

Zu den Wegen:

Pötzschturm
Westkante: Kann man so nicht anbieten, mit R wäre es evt. anbietbar. Allerdings ist die NW-Seite komplett grün, und es ist fraglich, ob da ein lohnender Weg draus wird.
SW-Variante: Den R kann notfalls die KTA alleine versetzen. Ansonsten sieht der Weg grün und unlohnend aus.
S-Kante: Sieht muchtig aus und wird durch nR kaum besser.
SO-Variante: Sieht muchtig aus und wird durch nR kaum besser.


Johanniskegel
AW: Einschlägige Datenbanken legen nahe, das die Schwierigkeit zwar eher IV ist, die Sicherung aber gut. Ein nR unten wird auch keine Unfälle (wie wohl geschehen) am Gipfelkopf verhindern, eher im Gegenteil. Also besser so lassen.
Dir. S-Kante VIIIa: Schwerweg, gehört nicht in dieses Konzept.


Johannisturm
AW: Die Stelle am Rissende ist mal kurz kurz unangenehm. Der R sollte aber etwas tiefer, so das Kinder ihn auch einhängen können, denn nur für Kinder beim ersten Vorsteigen ergibt der R Sinn.
SW-Kante: Ungesichert, speziell oben nur mit Schlinge im AW zumutbar, es gab wohl auch schon einen Unfall. Mit 2 R könnte das einen schönen Weg ergeben. Die R sollten evt. aber etwas tiefer, damit auch kleine sie gut einhängen können.
SO-Kante: Speziell unten die Stelle ist unangenehm, auch da gab es schon einen Unfall. 2nR machen hier einen gut anbietbaren Weg.
Angsthase, Schwerter zu Zapfhähnen, O-Wand: Schwerwege, gehören hier nicht ins Konzept.


Friederike
S-Kante IV: Eigentlich gutmütig. Ein nR erhöht die Attraktivität, des Weges, erleichtert das Sacken, falls es doch zu schwer wird, lässt aber noch genug Spannung übrig. OK.
SW-Wand: Auch eigentlich gutmütig, der nR ist nicht unbedingt notwendig, entschärft aber noch weiter.
Neue SW-Wand: Schwer, grün, und ungesichert. So wie der nR eingezeichnet ist, kann man ihn nur schwer einhängen. Es gibt aber überhaupt keine Stelle, wo man hier einen R so schlagen kann, das er gleichzeitig gut einzuhängen geht und auch gescheit absichert. Also besser so lassen und mit ! versehen.


Fritziturm
SW-Kante: In den grünen Mist steigt auch mit 5 R keiner ein! So lassen!
NW-Weg, Gelbe Variante, Talweg: Muchtwege, die auch durch nR nicht aufgewertet werden können.
Ostweg: Sieht interessant aus. Um die Attraktivität zu erhöhen, reicht aber ein nR oben nicht. Mindestens unter dem Überhang unten sollte auch noch ein nR hin, da es dort schwer und die Sicherung eher mäßig ist.


Mauerblümchen
S-Wand: Geht durchaus ohne nR zu klettern, ein Zug könnte durch den nR aber angenehmer werden und den Weg aufwerten.


Johannismauer
Nordwand: Noch das am besten aussehende in der N-Seite. 2nR generieren hier einen gut abgesicherten, schönen Weg, OK.
Stumpfe Kante, Rechter Einstieg: Grün, nRs sind hier Verschwendung.
Neue N-Wand: Schwerweg, außerdem grün. Passt nicht ins Konzept und kann auch nicht aufgewertet werden.


Morsche Wand
O-Rippe, Rubin: Nicht ganz unattraktiv, aber Schwerwege und deshalb außerhalb des Konzepts. Sicherung sieht ungenügend aus. Der eingezeichnete Topropering wird aber egal für keinen der Wege gebraucht.


Atariastein
Neuer Weg: Die Linie ist unten klar und für VI eher eine Rechtsschleife. Die beiden R unten sind sinnlos, der 3. eingezeichnete ist ok und sorgt für zumutbare Sicherung, danach liegt über dem Loch noch eine gute 7er Schlinge, über dem Überhang ist es nicht mehr schwer und man kann auch noch eine Schlinge legen, der 4. R ist deshalb wieder unnötig.


Schusterturm
Talweg: Schon durch den Einstiegskamin wird dies niemals ein attraktiver Weg. Der erste vorgeschlagene nR ist sinnlos, da mit dem Block in der Scharte gut gesichert werden kann. Der 2. nR ist auch nicht notwendig und sorgt nur für schlechte Seilführung. Den 3. vorgeschlagenen nR kann man aber setzen; hier würden sogar die normalen nR-Kriterien greifen: Es ist noch einmal schwer, weit über dem letzten R, und man sieht nicht einmal, das dort noch weitere schwere Stellen in dem mit grünen Bändern versehenen Gelände kommen, aber definitiv keine Schlingen.

Fazit:
Das Konzept wird der Zielstellung nur in Teilen gerecht. Zum einen werden Ringe für Schwerwege vorgeschlagen, was nicht im Sinne der Schaffung von Angeboten im mittleren Schwierigkeitsbereich ist.
Weiterhin werden nR für Wege vorgeschlagen, deren mangelnde Attraktivität nicht nur der Sicherung geschuldet ist. Sowas ist einfach Verschwendung.
Man sollte sich da wirklich auf die Fälle konzentrieren, wo man durch nicht zu übermäßigen nR-Einsatz wirklich schöne, anbietbare Wege schafft. Zumindest, wenn man ein solches Übungsgebietsprojekt wirklich durchführen will.
Ringe oder Ösen: Man sollte bei Ringen bleiben. Es ist ja nicht gedacht, hier etwas völlig anderes zu schaffen.



zurück zur Übersicht Stellungnahmen